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Am 20. Februar 1880 erscheint in der vom Verein „Droit des Femmes“ herausgegebenen Zeitschrift La Citoyenne, zu dessen Vorstand Marie Bashkirtseff gehörte, ein Artikel von ihr. Unter dem Pseudonym Pauline Orell schreibt sie über „Die Künstlerin“.

„Es wird niemanden verwundern zu hören, daß die Frauen von der École des Beaux-Arts ausgeschlossen sind, wie von fast allem. Man läßt sie doch auch zur École de Médecine zu, warum nicht zur École des Beaux-Arts? Ein Rätsel. Fürchtet man vielleicht die Skandale, die das weibliche Element in diesem Milieu von legendären Langweilern erregen könnte? Man braucht es doch nur wie in Rußland oder in Schweden zu machen und getrennte Ateliers für die Arbeit nach dem Modell einzurichten, um nur in den Allgemeinkursen alle Studenten gemeinsam zu unterrichten. Daher kann das nicht der Grund sein. Und was ist der Grund? Nun, es gibt keinen; es ist nur noch keiner draufgekommen, das ist alles.
So belegt ihr, die ihr euch lauthals für stärker, intelligenter und begabter erklärt als wir, eine der schönsten Schulen der Welt für euch allein mit Beschlag, wo ihr in jeder Hinsicht gefördert werdet.
Was die Frauen betrifft, die ihr zerbrechlich, schwach und beschränkt nennt, denen mehrheitlich durch das Wort Schicklichkeit sogar die alltägliche Freiheit, zu kommen und zu gehen, verwehrt ist, so gesteht ihr ihnen weder Förderung noch Schutz zu, im Gegenteil.
Das ist unlogisch. Wir wollen nicht wieder die alte Leier von den Frauen am Herd beginnen, nicht wahr? Nicht alle Frauen werden Künstlerinnen, ebensowenig wollen alle Abgeordnete werden. Es geht um eine sehr kleine Anzahl, die dem berühmten Herd nichts nehmen wird, das wißt ihr sehr gut.
Für die Frauen, die in der Industrie arbeiten wollen, gibt es genügend städtische Zeichenschulen, aber keine einzige wirklich künstlerische. Oder aber zwei, drei Ateliers à la mode, an denen reiche junge Mädchen zu ihrem Vergnügen malen.
Was wir aber brauchen, ist die Möglichkeit zu arbeiten wie die Männer und keine Kraftanstrengung machen zu müssen, um das zu bekommen, was die Männer ganz einfach haben.
Man fragt uns mit nachsichtiger Ironie, wie viele große Künstlerinnen es gegeben hat. Nun, meine Herren, es hat welche gegeben, und das ist erstaunlich in Anbetracht der ungeheuren Schwierigkeiten, denen sie begegnen.
Sagen sie den anständigen Leuten doch einmal, sie sollten ihre Töchter zum Aktzeichnen schicken, ohne das kein Studium möglich ist. Die meisten, die nicht zögern, dieselben jungen Mädchen mit an den Strand zu nehmen, […] würden schrille Schreie ausstoßen.
Was die Frauen angeht, die zu arm sind, um so zartbesaitet zu sein, so können sie sich einen Unterricht nicht leisten, den der Staat ihnen verweigert.
Man behindert das Frauenstudium also nicht nur durch altfränkische Methoden, man schließt die Frauen nicht nur von der staatlichen Akademie aus, sondern sie haben nicht einmal Zugang zu den Anatomie-, Perspektive-, und Ästhetikkursen usw. …, die die Männer sogar besuchen dürfen, wenn sie nicht an der Akademie sind und in irgendeinem Privatatelier arbeiten.
Die Akademie ist aber nicht ausschließlich Malern und Bildhauern vorbehalten, und obwohl ich darauf gefaßt bin, leise Heiterkeit zu erregen, sage ich, daß weibliche Architekten oder Graveure nicht komischer wären als weibliche Ärzte oder männliche Schneider. Jeder muß die Freiheit haben, den Beruf auszuüben, der ihm entspricht.
Obwohl es nicht wenige Männer gibt, die ehrbare Berufe ausüben und an anderer Stelle besser aufgehoben wären, […] sind die Frauen nicht berechtigt, sich um den Rompreis* zu bewerben. Wie Sie sehen, ist es ihnen nicht einmal gestattet, ihre Unfähigkeit zu beweisen.
Glücklicherweise gibt es die Jahresausstellungen, und die letzten Salons haben bewiesen, daß die so verachteten Frauen beherzte Studentinnen sind, die die Fahne der freien Schule, des Atelier Julian, das ihnen ihre Tore geöffnet hat, fest- und hochhalten.“


*Höchste Auszeichnung im Salon de la Peinture, verbunden mit einem Stipendium und Aufenthalt in der dem französischen Staat gehörenden Villa Medici in Rom.

 

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