Max Herrmann-Neisse. Ein deutscher Dichter bin ich einst gewesen.
Ein akustisches Porträt

„Wann wird sich denn endlich jemand finden, der die Gedichte dieses großen Lyrikers druckt?“ fragte sich der Kritikerpapst Alfred Kerr im Berlin der zwanziger Jahre mit einem Seitenhieb auf die Herren Verleger. Schon zu Lebzeiten ging es dem Dichter Max Herrmann-Neisse (1886 – 1941), über dessen Verse Stefan Zweig sagte, sie seien „die schönsten vielleicht, die seit Heinrich Heine im Exil geschrieben wurden“, kaum viel besser als heute. Nach dem tragischen Tod der Eltern, hatte es den kleinen buckligen Mann aus dem schlesischen Neisse nach Berlin verschlagen. Gemeinsam mit seiner schönen Frau Leni Herrmann-Gebek versuchte der „hoffnungslos unpraktische Provinziale“ in der pulsierenden Metropole und im Berliner Literaturbetrieb Fuß zu fassen. Er lernte den Maler George Grosz kennen. Wesensverwandte waren sie. Freunde wurden sie und verbrachten „eine dolle Zeit“ in der quirligen und lasterhaften Hauptstadt der Weimarer Republik. Für viele Maler, Bildhauer und Fotografen wurde Max Herrmann-Neisse aufgrund seiner grotesken Gestalt zu einem begehrten Modell. Er avancierte zur Stilikone des Expressionismus. Auch als Autor machte er sich einen Namen, und bald gehörte auch Macke, wie er von seinen Freunden genannt wurde, zur Künstler- und Literatenszene. Doch seine „schattenlose Glückseligkeit“ war nicht von Dauer. Wenige Tage nach dem Reichstagsbrand floh er gemeinsam mit Leni über Paris und Zürich nach London. Als Nichtjude hätte er Deutschland nicht verlassen müssen, doch dieses Land, das sich nach Hitlers Machtergreifung in ein „Tollhaus“ verwandelt hatte, war nicht mehr das Land in dem er leben wollte. Im englischen Exil schrieb er verzweifelt gegen seine Sehnsucht nach der verlorenen Heimat, die Einsamkeit und seine Sprachlosigkeit in der Fremde an. Am 8. April 1941 verstummte der Dichter in London für immer.
Vor dem Hintergrund der lebenslangen Freundschaft zwischen Max Herrmann-Neisse und George Grosz entwirft ein Museums-Guide im Rahmen einer inszenierten Bildbetrachtung des 1925 entstandenen Porträts von Max Herrmann-Neisse das Lebensbild des Dichters. In Briefen und Selbstzeugnissen, Lyrik und Prosa kommt der Dichter selbst, in O-Tönen aus Interviews und Vorträgen der kleine Kreis derer, die etwas zu seinem Leben und Werk zu sagen haben, zu Wort.

Thomas Neumann als Max Herrmann-Neisse zwischen innerer Einkehr und Zwiesprache mit einem imaginären Gegenüber. Martina Mann als Kunsthistorikerin und Erzählerin. Untermalt von Musikpassagen aus Alban Bergs „Lyrischer Suite“, entsteht ein multiperspektivisches Panorama, ein akustisch gerahmtes Zeitgemälde.




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